Eigentlich wollte ich mit der Rezension dieses kostenlosen PC-Games warten, bis ich es zuende gespielt habe. Aber dieses Spiel hat einfach kein Ende! Und ich meine das nicht so wie bei manchen Rollenspielen, wo man nach der Hauptquest einfach noch in der Welt herumstreunern und Nebenmissionen machen darf. Nein, bei der
"Reise ins All" geht die Geschichte irgendwie nie zuende. Und das ist auch gut so, denn in meiner doch einige Jahrzehnte langen Spieleerfahrung hab ich noch kein Game - und noch dazu ein kostenloses! - gefunden, das mich so gefesselt hat. Das so lustig war. Das eine so mickrige Grafik hatte, was mir aber völlig egal ist. Und noch nie hatte ich einen schneidigeren Helden als Leutnant von Mackwitz, dessen preußisch-knapper Sprachstil allein schon das Spiel wert ist. Von seinen unzähligen Vornamen rede ich jetzt lieber gar nicht ...
Doch nun zu Handlung: Wir schreiben das 19. Jahrhundert, Erfinder sind die großen Helden der Gesellschaft. Professor Heisen, ein brillanter Wissenschaftler, der auf mysteriöse Weise für einige Zeit bei einer seiner Expeditionen verschwand, arbeitet an einer Maschine, mit der er zum Mond fliegen kann. An dieser Maschine ist auch das Militär interessiert, das Leutnant von Mackwitz losschickt, dem Professor zu "helfen". Fräulein Eleonore, eine neugierige Journalistin, hat die Pläne des Militärs jedoch durchschaut, stellt sie bloß und sorgt so dafür, dass Mackwitz dem Professor nun wirklich helfen muss. Alle drei landen in einem Zug mit diversen Romangestalten (u.a. Sherlock Holmes und Dr. Watson, Käptn Nemo, Dr. Jekyll und Mr Hyde), müssen dort einen Mord aufklären, treffen später auf Phileas Fogg und Passpartout, Thomas Alva Edison und viele andere Berühmtheiten aus Geschichte und Literatur. Dann kommen auch noch Aliens, die die Erde bombadieren, und unsere Helden - mittlerweile um Frankensteins Kreatur erweitert - müssen zu viert die Welt retten und die hundsgemeinen Kopftentakler erledigen, angeführt vom Großen Würger. Achja, und das Phatom der Oper, ALF und der Facehugger aus Alien tauchen auch auf.
Das Spiel selbst ist eine Mischung aus Adventure mit diversen Rätseln und RPG mit Levelsystem, Ausrüstungsbeschaffung und rundenbasierten Kämpfen. Die Rätsel sind in der Regel nicht sonderlich schwer, lediglich die Minispiele können für reaktionsarme Menschen wie mich manchmal etwas nervig sein. Ist aber alles zu schaffen. Das Kampfsystem ist logisch und einfach zu bedienen: Ihr habt bei jedem der vier Helden die Wahl zwischen dem normalen Angriff mit Waffe (Eleonore: Handtasche, später Granater, Prof. Heisen: Regenschirm, später vergiftet) und Spezialfähigkeiten, die automatisch erweitert oder hochgelevelt werden. So wird aus Eleonore die klassische Heilerin, während Heisen einem Magier entsprechen könnte, da er Feuer-, Eis- und Handicap-Zauber (Blindheit, Konfusion, Schlaf und Stille) beherrscht. Zusätzlich gibt es eine ganze Reihe an Tränken, die allerdings passenderweise "Dr. Kneipp Tinktur", "Badekur" oder schlicht "Medizin" heißen und je nach Beschaffenheit HP oder MP auffüllen.
Fazit: "Die Reise ins All" ist eines der besten, abwechselungsreichsten und lustigsten Spiele, das ich je gespielt habe. Die Geschichte ist toll (auch, wenn ich mich nach gefühlten 5 Monaten Spielzeit nicht mehr an alles erinnern kann), die Figuren einfach umwerfend (erwähnte ich, dass unser tollkühner von Mackwitz sein Herz für Fräulein Eleonore entdeckt, worauf sie sich dann gegenseitig nur noch "Schatz" und "Täubchen" nennen?), die Rätsel und Minispiele angemessen schwer und die Anspielungen an Literatur und Geschichte (man kann z.B. als Nebenhandlung "Die Schatzinsel" spielen!) besonders für Germanisten schön. Einzige abschreckende Eigenschaft ist die minimalistische Grafik, die es mir manchmal sehr schwer gemacht hat, die Texte zu entziffern, weil sie doch recht klotzig sind. Aber glaubt mir: Nach kurzer Zeit merkt man das nicht mehr und will einfach nur weiterspielen.
So, und damit Ihr ein paar kleine Eindrücke bekommt, von was ich denn so begeistert bin, hier ein paar typische Szenen:

