Immer wieder habe ich davon gehört und gelesen, wie toll doch der japanische Film
"Tampopo" sei. Für mich war es daher immer "dieser Nudelsuppenfilm", obwohl ich ihn nie gesehen habe. Nun gibt es "Tampopo"
endlich auf DVD und da musste ich natürlich nicht lange überlegen, ob ich ihn mir kaufe. Zuerst mal muss ich zugeben, dass ich bei asiatischen Filmen, die als "Meisterwerk" gehandelt werden, eher skeptisch bin. Ich fand das "Wedding-Banquet" langweilig und hab's nach 20 Minuten ausgemacht (ich werde dem Film aber doch nochmal eine Chance geben). Lediglich "Eat Drink Man Woman" mochte ich, auch wenn mir das mexikanische Pendant "Tortilla Soup"
etwas besser gefallen hat.
Doch nun zu "Tampopo": Der Film ist so westlich, wie ein japanischer Film nur sein kann. Irdgendwo hab ich den Begriff "Nudel-Western" gelesen, und das trifft es auf den Punkt. Wie der mysteriöse Lastwagenfahrer Goro der reizenden Witwe Tampopo hilft, ihr Nudelsuppen-Restaurant auf Vordermann zu bringen, dabei allerhand schillernde Persönlichkeiten anschleppt, die sich um die perfekte Suppe, die perfekte Nudel und die perfekte Innenausstattung kümmern, das erinnert stark an einen Western, in dem der stille Held seiner Herzensdame zu Hilfe eilen muss, weil diese sonst ihren Saloon/ihr Bordell oder ihren Eisenwarenladen verliert. Und die "Duellszenen" mit konkurrierenden Suppenköchen hätte John Wayne auch nicht besser hingekriegt. Garniert wird der gesamte Film mit inhaltlich unzusammenhängenden Einspielern, die allesamt mit Essen zu tun haben - sei es der Jakuza-Chef, der seine Mätresse zum kulinarischen Höhepunkt führt, der scheinbar ungeschickte Assistent, der seine Chefs im Restaurant verblüfft oder - meine Lieblingsszene - die ältere Dame im Supermarkt mit einem exzessiven Hang zum ...nunja ... "Lebensmittelprobedrücken".
Fazit: "Tampopo" ist ein ungewöhnlicher Film voll Charme und toller Ideen. Die Kochszenen kommen zwar etwas zu kurz, aber da der ganze Film vom Essen und Genießen handelt, ist das nicht weiter schlimm. Die Darsteller sind umwerfend, vor allem die Gourmet-Penner, die mich sehr an Swingie und seine Band erinnert haben. Und das Beste: Die Bildqualität ist super! Ich hatte schon das Schlimmste befürchtet, da der Film ja von 1985 ist. Aber nein, alles ist wunderbar. Und am Schluss hat man Lust auf Nudelsuppe mit Schweinefleisch, chinesischen Bambussprossen und Frühlingszwiebeln. Und zwar auf die große Portion